Der «UBER-Fall»: Helfen Proteste gegen disruptive Kräfte?

UBER Die digitalisierte Welt bringt mit auffallender Regelmässigkeit neue Geschäftsmodelle in unseren Alltag, die tradierte Anbieter vor den Kopf stossen. In dieses Schema passt UBER, ein Taxiangebot das 2009 in San Francisco lanciert wurde.

home-hero-5-1440-900Die App «UBER» revolutioniert das Taxigewerbe. Das gefällt nicht allen.

VON CHRISTOPH OGGENFUSS*

Wie weit hat es das Taxigewerbe in den vergangenen hundert Jahren gebracht, wenn ich am Freitagnachmittag an der Fifth Avenue in Manhatten keinen Yellow-Cab kriege, um mit meiner schweren Reisetasche nach Brooklyn zu gelangen? Insider sagen mir, dass um diese Zeit Downtown der Schichtwechsel sei und daher kein Taxi an der Fifth Avenue anhält, um mich mitzunehmen. So schleppe ich die Tasche zur Madison Avenue wo die Autos in die Gegenrichtung fahren. Nach einer Viertelstunde lässt sich ein Taxifahrer dazu herab überhaupt anzuhalten und zu fragen wohin ich will. Als ich Brooklyn sage winkt er ab – ich konnte ihn dann aber doch noch überzeugen mich dorthin zu bringen. Schon fast etwas stolz schnaufe ich auf dem Rücksitz tief durch, dass es mir gelungen ist einen der über 13‘000 Yellow-Cabs zu «entern».

Einige Tage später stehe ich wieder in Midtown an der Fifth Avenue – der kleine Unterschied zum Spiessrutenlauf am vergangenen Freitag: Ich habe mir die UBER-App runtergeladen. Ich drücke auf den Bestellknopf und erkenne, dass ich in 7 Minuten abgeholt werde. Der Fahrer heisst Akm und sein Bild ist auch dabei, er fährt einen Toyota Prius und ich sehe auf der Karte wie er sich meinem Standort nähert. Ich werde freundlich begrüsst, der Koffer wird eingeladen und ab geht’s zum JFK Airport. Der Fixpreis meiner Fahrt wurde mir bereits angezeigt und die Belastung erfolgt auf meiner Kreditkarte – den Beleg erhalte ich elektronisch und die Fahrerbewertung kann ich nach dem Check-in im Flughafen in Ruhe erledigen. Willkommen in der digitalen Welt mit einer Customer Experience wie ich mir das im Jahre 2014 vorstelle.

UBER als disruptive Innovation
Disruptive Innovationen sind, gemäss der Definition von Harvard Professor Clayton Christensen, Angebote die gegenüber bisherigen Leistungen «accessible and affordable» sind – also erleichterten Zugang haben und deutlich günstiger sind. Disruptiv sind solche Innovationen darum, weil sie entweder massives Wachstum generieren oder aber Konsumgewohnheiten nachhaltig verändern.

Am Beispiel von UBER ist es vor allem die intuitiv geprägte App die den Zugang zum Taxi-Service massiv vereinfacht hat. Der tiefere Preis, saubere Fahrzeuge und freundliche Fahrer, runden das positive Bild ab und erhöhen die Sprengkraft des Angebotes. Interessanterweise sind UBER-Fahrer grösstenteils nicht bisherige Taxifahrer der gewerkschaftlich organisierten Anbieter.

Das Geschäftsmodell von UBER
Das Geschäftsmodell von UBER ist bestechend einfach. Die Fahrer bringen ein Auto das nicht älter als zehn Jahre alt ist, einen sauberen Strafregisterauszug und Freude am Kundenservice. Den Rest erledigt UBER: die Bereitstellung des Smartphones mit der App, die Kreditkartenabwicklung und die Entlöhnung der Angestellten, die ihre Einsatzzeiten frei wählen können und UBER 20% des Umsatzes entrichten. Flexible Arbeitszeit, kein Bargeld im Fahrzeug, keine Administration – das sticht und ist für UBER, für den Fahrer und den Kunden attraktiv. UBER ist übrigens mittlerweile in 45 Ländern und in mehr als 200 Städten aktiv.

Proteste der Taxifahrer
Am 11. Juni 2014 protestierten zahlreiche Taxifahrer in Europa gegen UBER. Aus Sicht der Taxifahrer ist diese Reaktion verständlich – ändert aber mittelfristig nichts an der massiven, disruptiven Kraft des neuen Geschäftsmodells. Zu viele Taxifahrer haben sich in den letzten Jahren zu wohl gefühlt, ihre Fahrzeuge nicht mehr gereinigt und den Kundenservice an der Garderobe deponiert. Diese Flanke nimmt UBER gerne an – so war der Juni-Protest in London die beste PR für UBER… die Zahl der Neuanmeldungen stieg gegenüber dem Schnitt um 850%!

Artikel drucken

Meetingpoints