Digitalisierung – na und? Die Wirkung von Print

PRINT Im Zuge der Digitalisierung stellt sich für viele Firmen die Frage: Sollen Unternehmenspublikationen wie Geschäftsberichte und Imagepublikationen überhaupt noch in gedruckter Form publiziert werden? Druckexperten liefern Gründe, wieso ein Verzicht auf Print oft kontraproduktiv ist.

Depositphotos_73951689_originalPrint, Digital oder beides? Diese Entscheidung wird auch für Unternehmenspublikaitonen immer entscheidender.

Immer mehr Firmen setzen bei ihren Unternehmenspublikationen auf digitale Kanäle. Doch beim digitalen Boom gehen die Vorteile einer gedruckten Publikation oft vergessen. «Gedrucktes undifferenziert und voreilig durch elektronische Medien zu ersetzen, liegt im Trend», sagt Othmar Krienbühl, Mitinhaber und Partner bei Linkgroup. «Oft erweist es sich jedoch als kurzsichtig oder gar kontraproduktiv, da eine fundierte Analyse der Zielgruppen fehlt. Gerade in der Unternehmenskommunikation zählt aber neben dem Inhalt nicht zuletzt die Art, wie er überbracht wird.» Ein Geschäftsbericht erscheine nicht mehr als gedruckte «Bibel», bilde aber zum Beispiel als gedrucktes Unternehmensprofil mit einem gedruckten Kurzbericht in Kombination mit einem Online-Geschäftsbericht und einem PDF ein zielgruppenorientiertes Kommunikationspaket für die Finanzberichterstattung. «Die Zielgruppen werden auf diese Weise emotional und mediengerecht bedient», so Krienbühl. «Ganz klar, Print hat seinen Platz und wird diesen auch weiterhin behaupten, stets jedoch in Kombination mit Onlinemedien.»

Starke emotionale Bindung

Krienbühl hebt hervor, dass die Kunden heute die Vorteile von Print und Online vollumfänglich nutzen wollen, um zielgruppengerecht kommunizieren zu können. «Viele unserer Kunden überreichen ihren Mitarbeitenden und Kunden gezielt ein Print­erzeugnis, um eine starke emotio­nale Bindung zu erzeugen – sei es im Unternehmen, zu Hause oder wenn das Produkt an Dritte weitergegeben wird», so Krienbühl. «Hier ist das Printerzeugnis dem Bildschirm eines elektronischen Endgeräts klar überlegen.» Print animiere den Empfänger eher zum entspannten Lesen; die emotionale Ansprache über die Haptik eines fachlich sauber gefertigten Druckerzeugnisses fördere das genussvolle Blättern und Stöbern. Die Wirkung einer gut gestalteten Titelseite, die Grosszügigkeit eines doppelseitigen Bildes seien weitere Vorzüge. «Die Kunden nutzen eben genau die vorher genannten Merkmale, um sich in der elektronischen Informationsflut mit einer differenzierten Botschaft zu positionieren – «Entschleunigung» als Stichwort.»

Für Warteck Invest, Basel, entwickelte und realisierte Linkgroup als Generalunternehmer ein stilprägendes, von der Unternehmensstrategie abgeleitetes Konzept für Print und Online. Die Inhalte und Funktionalitäten wurden bereits in der Konzeptphase zielgruppengerecht aufbereitet und crossmedial verknüpft. Das Unternehmen setzt auf Print als Ausgabemedium und nutzt so die Vorteile der emotionalen Ansprache über die Haptik. Doppelseiten sind inhaltlich in Magazinform aufgemacht und regen durch ein handliches Format zum Blättern an.

«Jeder Ausgabekanal hat seine Stärken»

Andreas Hostettler, Leiter Marketing & Verkauf und Mitinhaber der Sihldruck AG, ist davon überzeugt, dass nur sehr selten ein Printprodukt durch ein digitales Produkt ersetzt werden kann. Zwar sei es richtig, dass sich die digitalen Medien «ein Stück vom Kuchen» holen. Aber oft würden sich die beiden Elemente ergänzen und dadurch eine breitere Zielgruppe erreichen. «Jeder Ausgabekanal hat seine Stärken – beim Printprodukt zählen zum Beispiel Papierwahl, Haptik, Druckveredlung und die Typografie», sagt Hostettler. «Und bei der digitalen Ausgabe kann mit Audio- und Videoelementen gepunktet werden.» Bei der Sihldruck AG hat man deswegen das Angebot «SihldruckCube» entwickelt. Hier verknüpft das Unternehmen die verschiedensten Ausgabekanäle miteinander und bietet seinen Kunden das Beste aus beiden Welten.

Die Kunden von Sihldruck suchen laut Hostettler nicht nur eine Druckerei, sondern einen Kommunikationspartner. «Der Druck, welcher auf unseren Kunden lastet, ist nicht zu unterschätzen», so Hostettler. «Tagtäglich werden Sie mit neuen Möglichkeiten und Kommunikationsmitteln konfrontiert – und niemand möchte bei der Wahl seiner Produkte ‹aufs falsche Pferd setzen›.»Von einem Unternehmen der grafischen Industrie werde folglich mehr erwartet, als dass es präzise und termingerecht Printprodukte erstellt. «Der Kunde muss auf der Wertschöpfungskette viel früher begleitet und beraten werden. Das wiederum eröffnet uns auch Chancen, neue Geschäftsfelder zu erschliessen.» Wer heute nur über den Preis agiert, habe schon verloren. «Dies beweist auch das ständig wachsende Druckvolumen, welches ins benachbarte Ausland und in die neuen EU-Länder fliesst», sagt Hostettler.

«Beim Printprodukt zählen zum Beispiel Papierwahl, Haptik, Druckveredelung und die Typografie.»

Andreas Hostettler, Sihldruck

«Infos werden anders transportiert»

Schliesslich ist auch Jürg Konrad, Vorsitzender der Geschäftsleitung der FO Print & Media AG, von den Vorteilen der Printprodukte überzeugt. «Dank der haptischen Wirkung von Printerzeugnissen werden Informa­tionen ganz anders transportiert als mit einem digitalen Medium», sagt Konrad. «Auf die damit möglichen Effekte wollen wir nicht verzichten.» Da man einer Printpublikation mehr vertraue als einer digitalen Publikation, steigen allerdings auch die gestalterischen und inhaltlichen Qualitätsansprüche.

Welche Rolle wird Print in Zukunft bei Unternehmenspublikationen spielen? «In der Vergangenheit war die Bedeutung von gedruckten Informationen sicher grösser, da es praktisch das einzige Medium war, um Informationen an die Kunden zu übermitteln», so Konrad. «Heute stehen mehrere Kanäle zur Verfügung.» Insbesondere das Internet habe die Kommunikationsgewohnheiten verändert. «Im Medienmix wird Print noch vermehrt höherwertige Informationen transportieren», ist Konrad überzeugt. «Das heisst Informationen, die länger gültig und wichtig sind sowie einen gewissen Wert darstellen.»

Haptisches Erlebnis vs. digitale Spielereien
Auch Andreas Hostettler von Sihldruck ist überzeugt, dass Print noch lange eine wichtige Rolle in der Unternehmenskommunikation spielen wird – wenn auch in enger Kombination mit digitalen Ausgabekanälen. «Jeder dieser Kanäle befriedigt ein anderes Konsumentenbedürfnis: von Mobilität über Aktualität, vom haptischen Erlebnis über digitale Spielereien», so Hostettler. «Als modernes Medienunternehmen muss man in der Lage sein, all diese Bedürfnisse der Kunden abdecken zu können.»

Für Othmar Krienbühl von Linkgroup spielt das Kommunikationskonzept des Kunden in Bezug auf seine Zielgruppen eine entscheidende Rolle. «Auflage und Umfang können zum Beispiel bei der Finanzberichterstattung weiter zurückgehen, oder es wird sogar schwergewichtig auf Online gesetzt, und Druckerzeugnisse werden nur flankierend eingesetzt», sagt Krienbühl. «Umgekehrt soll eine stärkere emotionale Bindung bei der internen Kommunikation erreicht werden, und es wird ganz klar auf Print gesetzt, hier aber mit Online als Ergänzung.» Auf jeden Fall gelte: Print muss für die Zielgruppe zwingend Mehrwert bieten und wenn immer möglich crossmedial ergänzt werden. «Ein gedrucktes Kundenmagazin kann aber beispielsweise durch spezifische Apps für Produkte und Verkaufsaktivitäten sowie mit einem elektronischen Newsletter ergänzt werden», so Krienbühl weiter. «Dieser erscheint zwischen den Ausgabedaten der gedruckten Publikationen oder bei aktuellem Bedarf und unterstützt das Printerzeugnis in idealer Weise.»

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Sihldruck setzt neu auch auf B2C-Onlinehandel

Die Sihldruck AG als fast ausschliesslicher B2B-Anbieter möchte Erfahrungen im B2C-Onlinehandel sammeln. Deshalb hat die Firma per 1. April 2015 den Online-Kartenshop Design&Print lanciert. Dabei legt Sihldruck bei dem Angebot grossen Wert auf das Design der Karten. Zudem kann jede Vorlage mit einem Designtool in wenigen Schritten auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Die angebotene Auswahl umfasst die Themen Hochzeit, Geburt und allgemeine Einladungs- und Glückwunschkarten.

Autor: Simon Wolanin

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