«Ein Eventmanager muss leiden können»

EVENTMANAGEMENT Simon Ackermann, CEO und VR-Präsident bei der Habegger AG, Regensdorf, über Events als Kommunikationsmittel.

54_Ackermann-Simon_HabeggerSimon Ackermann, Habegger Group.

MK Welche Bedeutung haben heutzutage aus Ihrer Sicht top organisierte Events als wirkungsvolle Marketing- und Kommunikationsmittel?
SIMON ACKERMANN Live-Kommunikationsmassnahmen, worunter wir Events einreihen, sind in Kombination mit dem Bespielen der digitalen Kanäle konkurrenzlos. Digital kann eine Marke interaktiv und rund um die Uhr kommunizieren. Der Livemoment lädt die Marke durch ein reales Erlebnis auf und ergänzt multisensuell, was bereits digital an Markenbildung aufgebaut wurde. Wer in Zukunft diese beiden Kanäle synchronisiert und transmedial bespielt, der kann beinahe komplett auf die klassischen «Above-the-line»-Massnahmen verzichten.

MK Sie organisieren weltweit Events in ganz unterschiedlichen Kulturkreisen. Welches ist die wichtigste Voraussetzung, damit diese Herausforderung erfolgreich gemeistert werden kann?
ACKERMANN Nur wer hinhören kann, in der Tiefe informiert, einen neuen Kulturkreis betritt und wer ohne Vorurteile ihm unbekannten Menschen begegnet, wird erfolgreich auf diesen fremden Märkten bestehen. Oft ist die Wahrheit vor Ort sehr differenziert, es gibt kein Schwarz und Weiss, sondern nur diffuse Welten, welche je nach Situation unterschiedlich gelesen werden müssen.

MK Welche Skills muss ein junger Eventmanager heute mitbringen, um in diesem sensiblen Geschäft bestehen zu können?
ACKERMANN Er muss leiden können. Alles muss heute schneller, billiger und besser als ein Jahr zuvor umgesetzt werden. Diese Arbeit schmerzt. Ohne Leidenschaft für das Liveerlebnis überstehen junge Einsteigerinnen und Einsteiger den Start nicht. Ohne inneres Feuer ist der Druck zu gross.

MK Wie beurteilen Sie entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote in der Schweiz?
ACKERMANN Es gibt eine Vielzahl von Angeboten. Leider sind diese konzeptionell sehr unterschiedlich, um sie wirklich vergleichen zu können. Ich stelle fest, dass bei den Referenten oft der langjährige praktische Erfahrungsschatz fehlt. Es wird zu oft versucht, fehlende Praxis mit zu theoretischen Modellen zu ersetzen. Eventmanagement ist vor allem eine Erfahrungssache und kann nur schwer theoretisch vermittelt werden. Es fehlt der Industrie an akademisch verbrieften Tools.

MK Pflegen Sie einen Austausch mit den Anbietern von Event­management-Ausbildungen?
ACKERMANN Wir pflegen einen recht engen Austausch mit Studenten, welche ihre «Thesis» schreiben. Dazu unterrichten wir an verschiedenen Fachhochschulen als Gastdozenten. Ein wirklich enger Austausch mit den Anbietern findet aber nicht statt. Wir wurden beispielsweise noch nie angegangen und gefragt, was unser Unternehmen in Zukunft an Personal beschäftigen wird.

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Autor: Robert Wildi

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