Ohne Daten keine Digitalisierung

DIGITALISIERUNG In der zweiten Beitragsserie «Digital – from Talk to Walk» spricht Christoph Oggenfuss* mit Exponenten aus Wirtschaft und Forschung über die Umsetzung der digitalen Transformation. Der zweite Gesprächspartner ist Dr. Patric Märki, Managing Director SAS Institute Switzerland.

Patric_Maerki_SAS_landscape_CMYKDr. Patric Märki, Managing Director SAS Institute Switzerland.

Ich treffe Patric Märki in einem der hellen und transparenten Büros von SAS in Wallisellen. Die architektonische Transparenz ist nicht zufällig sondern exemplarisch, SAS erzielt weltweit seit Jahren top Rankings als «Best Place to Work».

Information als wichtiger Wettbewerbsfaktor
Als erstes frage ich Herr Märki was Digitalisierung für SAS-Institute bedeutet. «Aus der Optik eines führenden Business Analytics Anbieters nimmt das Thema Digitalisierung natürlich einen besonderen Stellenwert ein. Information ist zu einem der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren geworden.» Diese Aussage haben wir auch schon gehört – aber sie kann meines Erachtens nicht genug betont werden. Zu viele Unternehmen behandeln ihre (Kunden-) Information noch sträflich lieblos.

Weiter führt Märki aus, dass Daten, und die Fähigkeiten daraus Informationen zu extrahieren, eine zwingende Voraussetzungen darstellen, um im Wettbewerb zu bestehen. Digitalisierte Daten stehen damit ganz am Anfang der analytischen Wertschöpfungskette. Auf der Kundenseite sind es genau diese Fragen mit den Unternehmen die Berater von SAS konfrontieren. Den Drang oder Zwang zur Digitalisierung sieht Märki nach Branchen und Geschäftsbereichen unterschiedlich, macht aber deutlich, dass dieser Prozess nicht als Option zu sehen ist sondern als strategischer Entscheid wann mit welcher Intensität gestartet und investiert wird.

«next best offer»-Ansatz
An welchen Beispielen lässt sich die Digitalisierung bei Unternehmen veranschaulichen? «Verschiedene Industrien passen ihre Geschäftsmodelle durch die Verbesserung von Geschäftsprozessen an und nutzen dabei ausgewählte Technologien der Digitalisierung (Social, Mobile, Cloud, Big Data)». Auf diesem Weg werden Wertschöpfungsprozesse transparenter und Potentiale werden so besser erkennbar.

Als konkretes Beispiel nennt Märki den Ansatz «next best offer» der heute bei führenden Händlern (z.B. Amazon, Tesco) oder Finanzdienstleistern hochwirksam eingesetzt wird. Demand Forecast-Optimierung oder Tarifierung im Versicherungsumfeld sind weitere konkrete Anwendungsbeispiele.

Als leidenschaftlicher Konzertgänger schätzt Märki nicht nur die Online-Informationen im Vorfeld des Events sondern vor allem die Möglichkeit bereits 15 Minuten nach dem Konzert den Download verfügbar zu haben. Aber eben, an solche Services gewöhnt man sich sehr schnell – definitiv eine Herausforderung für Unternehmen.

Kosten sparen durch die Digitalsierung?
Ist die Digitalisierung mehr Wachstumstreiber oder eher eine Möglichkeit für Kosteneinsparungen? Märki sieht die Digitalisierung in einem ersten Schritt als gute Möglichkeit Kunden- und Marktzugänge einfacher und besser zu erschliessen und Angebote attraktiver zu gestalten; der Konzertdownload wird hier exemplarisch nochmals erwähnt. Mit zunehmender Digitalisierung und der damit einhergehenden Transparenzerhöhung können auch Kostenoptimierung wirkungsvoll adressiert werden.

Was sind die mittelfristig angedachten Digitalisierungs-Initiativen bei SAS? Bei dieser Frage lässt sich Patric Märki nur bedingt in die Karten blicken. Einerseits, weil er als Country Manager noch nicht so lange bei SAS tätig ist, andererseits aber darum, weil das SAS-Institute seit seiner Gründung 1976 mit Digitalisierung zu tun hatte. Als globale Initiative für alle 14‘000 Mitarbeitenden wird die Nutzung von Social Media Kanälen geschult und zum aktiven Umgang damit animiert.

Herausforderung «Data-Governance»
From Talk to Walk: Was sind die zentralen Herausforderungen oder Stolpersteine auf dem Weg zur Umsetzung? «Ich sehe das Thema Digitalisierung als klar strategisches Thema, da die Frage zu beantworten ist ob das aktuelle Geschäftsmodell zukunftsfähig ist.» Damit sagt Märki auch, dass es top-down zu behandeln ist und die Sicht auf das gesamte Unternehmen angelegt werden muss. Ein weiteres Thema das er als Herausforderung sieht ist «Data-Governance», d.h. die klare Regelung von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten rund um die Handhabung von Daten im Unternehmen. Das beinhaltet dann häufig auch die Frage wer für die Daten-Qualität zuständig ist.

Mehr Vor- als Nachteile
Wer sind die primären Nutzniesser der Digitalisierung? «Das unterscheidet sich möglicherweise je nach Industrie und Firma. Es ist aber erkennbar, dass sowohl für Anbieter, Kunden und Geschäftspartner Mehrwerte entstehen. Im Bereich Supply-Chain beispielsweise können der Hersteller und der Distributionspartner Prozesse effizienter abwickeln und der Endkunde erhält seine Ware schneller». Als aktuelles Beispiel erwähnt Märki die iWatch für die er ein riesiges Anwendungsspektrum sieht und ein offenes Feld für clevere Geschäftsmodelle besteht.

Zum Schluss des Gespräches fügt Patric Märki an, dass man bei neuen Technologien nicht undifferenziert nur eine Seite der Medaille betrachten darf. Aber auch nach kritischer Betrachtung der Digitalisierung sieht er deutlich mehr Vor- als Nachteile. Eine wesentliche und wunderbare Errungenschaft ist, dass viel mehr Wissen für einen viel breiteren Kreis von Menschen zugänglich wird. Und damit schliesst sich der Kreis zum Unternehmens-Credo von SAS-Institute: The Power to Know.

Im Rahmen der Digital-Serie in Marketing&Kommunikation von Christoph Oggenfuss (markITing ag) stand die erste Staffel unter dem Titel «Digital – nicht trivial». Die Beiträge gibt es hier.

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